Moderation: Nina Weller
Samstag · 14:00 – 15:00 Uhr · Kleines Zelt
Was passiert mit Erinnerung, wenn Geschichte zerschnitten wird – wenn Herkunft verloren geht und Biografien auseinandergerissen werden? In diesem Panel begegnen sich zwei künstlerische Positionen, die Exil, Krieg und persönliche Vergangenheit ausloten. ulia Cimafiejeva arbeitet in »Ich zerschneide die Geschichte« mit Schnitten – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn: Ihre Collagen und Gedichte erzählen von Verlust, Identität und dem Versuch, im Exil eine neue Wirklichkeit zusammenzusetzen. Yuriy Gurzhy verbindet in »Ein Aquarium voller Schlüssel« Texte mit Fotografien seines Vaters zu einem eindringlichen Porträt Charkiws – zwischen wiederentdeckten Bildern und der Gegenwart eines vom Krieg gezeichneten Landes. Im Gespräch geht es um das Erzählen nach der Zäsur: Wie lassen sich Brüche sichtbar machen? Und welche Formen kann Kunst finden, um Erinnerung festzuhalten?




Julia Cimafiejeva, geboren 1982, ist eine belarussische Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie hat fünf Gedichtbände in belarussischer Sprache veröffentlicht, deren Gedichte auch als eigenständige Bücher in den USA, Deutschland und Polen erschienen sind. Zudem sind ihre Werke in verschiedenen belarussischen und internationalen Projekten, Anthologien und Zeitschriften vertreten. Ihr englischsprachiges Dokumentarbuch Minsk Diary wurde in sechs Sprachen übersetzt. Für das Projekt «While History Writes Itself» am Maxim Gorki Theater schrieb sie ihr Debütstück Extremists, das in Deutschland und Polen aufgeführt wurde. Als Übersetzerin hat Cimafiejeva Gedichte unter anderem von Walt Whitman, Stephen Crane und Enheduanna ins Belarussische übertragen. Außerdem übersetzte sie Kinderbücher von Maja Lunde und Stian Hole. Für ihre Übersetzung eines Gedichtbands von Stephen Crane wurde sie mit dem Carlos Sherman Translation Prize ausgezeichnet. Seit 2020 lebt Cimafiejeva im Exil in Europa. Im Jahr 2025 wurde sie Stipendiatin des daad (Berliner Künstlerprogramm).
Yuriy Gurzhy geboren 1975 in Charkiw, Ukraine, lebt seit 1995 in Berlin. Als Musiker, Komponist, DJ und Autor hat Gurzhy zahlreiche Projekte initiiert und geprägt, darunter RotFront, Shtetl Superstars, The Disorientalists sowie Kaminer & Die Antikörpers. Darüber hinaus veröffentlichte er als Kurator über ein Dutzend international beachtete Compilations auf renommierten europäischen Labels. Im Jahr 2022 erschien sein literarisches Debüt Richard Wagner & die Klezmerband. Auf der Suche nach dem neuen jüdischen Sound in Deutschland. Zudem führte er von Februar 2022 bis April 2024 für den Tagesspiegel ein Kriegstagebuch, in dem er den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine aus persönlicher Perspektive dokumentierte. Yuriy Gurzhy komponiert regelmäßig für Theaterproduktionen, unter anderem am Maxim Gorki Theater in Berlin, am Nationaltheater Mannheim, an den Münchner Kammerspielen und am Teatr Lesi in Lwiw. Seine letzten drei Alben entstanden in Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Autor und Musiker Serhij Zhadan.
Yuriy Ghurzy: Ein Aquarium voller Schlüssel
